Journalisten zum Fürchten

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Es herrschen mehr chaotische Zustände in deutschen Redaktionen als an der Absturzstelle von MH17 in der Ostukraine.

Was in der Ostukraine tatsächlich passiert, ist unklar. Klar ist, dass derzeit nicht nur ein mit Waffen geführter Krieg tobt, sondern auch ein Krieg der Worte. Medien und Journalisten aus Deutschland blamieren sich auf ganzer Linie, indem sie Spekulationen, ungeprüfte Informationen sowie persönliche Eindrücke in die Welt hinaus posaunen und diese als Wahrheit verkaufen. Immer häufiger stellt sich dann aber heraus, dass das ergriffene journalistische Wort überzogen war, ja manchmal sogar der Lüge gleicht. Und das in einem Land, dass die Pressefreiheit gerade vor dem Angriff des Mindestlohns verteidigt hat.

Die Kritik in den sozialen Netzwerken an der katastrophalen Berichterstattung nimmt zu. Da wo sich die Einseitigkeit und Falschheit von Aussagen nicht mehr leugnen lässt, rudern die Verantwortlichen halbherzig zurück. So hat das ZDF einen Bericht korrigiert, in dem der verantwortliche Journalist die im Beitrag zu hörende Aussage einer wütenden Frau in der Ostukraine falsch übersetzte. Via Twitter und Youtube stellte das ZDF unter dem Stichwort “Es gab keine Manipulation im heutejournal vom 12. Juli” klar, dass die Übersetzung richtig, die Filmsequenz aber falsch ausgewählt worden war.

Das kann in der Eile offenbar passieren. Eilig mit einem Kommentar hatte es auch Thomas Heyer vom WDR. Via WDR Blog ließ er die Öffentlichkeit am Montag an seinen Gedanken teilhaben, die ihm durch den Kopf schossen, als er das Bild eines Mannes in Uniform an der Absturzstelle von MH17 sah, wie er einen Teddybären in die Kamera hält. “Gorillas zum Fürchten” überschrieb er seinen, na nennen wir es ruhig Kommentar, in dem er zu folgender Formulierung greift. “Unterdessen gebärden sich die Freischärler von Putin’s Gnaden weiter wie Gorillas, denen man Waffen in die Hand gegeben und die man mit Uniformen ausgestattet hat.” Und weiter schreibt er von Söldnern, die ihre Opfer und deren Hinterbliebenen sowie die gesamte zivilisierte Welt verhöhnen und verspotten. “Da zusehen zu müssen, ist kaum auszuhalten.”

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Nur hat Thomas Heyer gar nicht genau hingesehen, wie er am Mittwoch kleinlaut zugeben musste. “Da bin ich vermutlich einer verkürzten Wahrheit aufgesessen”, schreibt er nun. Welche Wahrheit meint er denn jetzt? Die, die er nach Prüfung der Quelle, die nicht er, sondern andere vornahmen, nicht mehr sehen kann, aber unbedingt sehen möchte, um das eigene Weltbild nicht ändern zu müssen? Einer verkürzten Wahrheit aufgesessen zu sein, bedeutet ja, nicht ganz so falsch gelegen zu haben. Das tat er aber, nachweislich. Er verteidigt sich dennoch. “Ich hatte das Bild in einer renommierten Tageszeitung gesehen und war entsetzt.” Das ist natürlich Grund genug, das Hirn auszuschalten. Wirklich armselig wirkt aber die zweifelhafte Behauptung, dass der Sender bislang sehr vorsichtig mit den Informationen rund um die Krise in der Ukraine umgegangen sei. Gerade das scheint eben nicht der Fall.

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Sich auf “renommierte” Quellen zu berufen, heißt übersetzt schlicht und einfach. Weil es die anderen auch alle schreiben, kann es ja so falsch nicht sein. Dieser Strategie folgte auch die ARD Aktuell Redaktion unter der Leitung von Kai Gniffke, die bis heute von entführten OSZE Beobachtern spricht, die in Wirklichkeit Militärbeobachter ohne OSZE Mandat waren, wie der Vizechef des OSZE-Krisenpräventionszentrums, Claus Neukirch, relativ schnell klarstellte. Allerdings nicht in der ARD, sondern bei den österreichischen Kollegen des ORF. Der Kritik an der Position der ARD begegnete Gniffke mit einem ähnlichen Argument wie Thomas Heyer in dieser Woche. „Wir haben den Begriff ‚OSZE-Militärbeobachter’ richtig verwendet. … Die Bezeichnung … steht im Einklang mit dem Wording von Nachrichtenagenturen und Qualitätszeitungen…“

Das sind Journalisten zum Fürchten. Ich sage nicht, sie sind Propagandisten. Ich sage, sie missachten die Grundsätze einer sauberen Recherche, weil sie wie Spekulanten an der Börse lieber einem primitiven Herdentrieb folgen wollen.


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Ambivalenz

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Niersbach‬ hat nichts richtiges gelernt und muss deshalb als ehrenamtlicher Präsident vom ‪DFB‬ bezahlt werden. ‪Beckenbauer‬ hat während seiner Zeit bei Cosmos New York offenbar kein Englisch gelernt und ist daher von einer korrupten Bande, die den Weltfußball beherrscht, wegen unethischen Verhaltens gesperrt worden.

Das sind auch Realitäten des Fußballs, über die unsere Reporter bei den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten aus Rücksicht auf die Fans lieber nicht so ausgebreitet reden wollen. Zu viel Politik schadet der guten Laune, heißt es bei ‪‎ARD‬ und ‪ZDF‬ augenscheinlich häufig.

Angela Merkel ist da natürlich die große Ausnahme. Sie darf in jede Kamera lächeln, die man ihr hin hält. Die Bilder werden dann in Endlosschleife gesendet, so als wollte man der Welt vor Augen führen, wie menschlich jemand sein kann, der Verantwortung für das Leid von vielen trägt.

Der Fußball ist schön und hässlich zugleich.

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Unwetter findet in der ARD erst heute Morgen statt

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Bis Mitternacht, länger habe ich nicht geguckt, hat die Tagesschau Online Redaktion dieses bedrückende Unwetterbild als Topnachricht gepostet. Merkel mit noch drei Regierungschefs irgendwo auf einem See in Schweden. 

Unwetter

Quelle: ARD, Tagesthemen, 09.06.2014, 23:15 Uhr

Zu diesem Zeitpunkt war ein Unwetter mit einer riesigen Gewitterzelle bereits über den Westen der Republik hinweggezogen und hatte erhebliche Schäden angerichtet. Das konnte, wer wollte, jeder in den sozialen Netzwerken nachlesen. Doch was war in den Tagesthemen los? Dort passten die aktuellen Wetterereignisse offenbar nicht hinein. Stattdessen wird von Angela Merkels gescheitertem Versuch berichtet, die Juncker Gegner zu überzeugen.

Die Tagesthemen kommen aus einem kürzlich für viel Geld eingerichteten und hypermodernen Studio aus Hamburg. Vielleicht lag es ja daran. Also am Ort, denn das Studio sollte ja tolle Dinge können, zum Beispiel das Einbinden von Sozialen Netzwerken. Überhaupt hängen gerade die Öffentlich Rechtlichen Bedürfnisanstalten Social TV besonders hoch. Gestern hätte es mal wieder gepasst, den Zuschauern einen “seriösen Nachrichtenjournalismus in einer ansprechenden und modernen Aufmachung anzubieten.”

Stattdessen hört man Aussagen wie: “Von diesem Treffen ist zu erwarten, dass es Aussagen zum Inhalt gibt, aber keine Entscheidungen zu Personalien.” Das kündigte Angela Merkel nämlich an, als man ihr zahlreiche Mikrofone unter die Nase hielt. Und so blieb es allein Claudia Kleinert vorbehalten, am Ende der Sendung auf das bereits stattgefundene Unwetter hinzuweisen und für kommende Ereignisse vorzuwarnen. Kommentar von Sprecher Roth: “Da ist wohl Anschnallen angesagt.” Na ja, danke für nichts. Das Studio kostete übrigens 23,8 Millionen Euro.

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Klassische Text-Bild-Schere

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Der Umfrageirrsinn geht weiter. Für eine klassische Text-Bild-Schere sorgte heute das ARD-Morgenmagazin. In der Überschrift wird behauptet, “Schlechte Noten für Große Koalition”. Darunter ist eine Abbildung der für diese Art der Wahlforschung üblichen Sonntagsfrage zu sehen. Und was kommt heraus? Richtig. Die große Koalition. So schlecht können die Noten also gar nicht sein. Oder sie sind doch schlecht. Nur glaubt der Wähler fest daran, dass etwas anderes als die Große Koalition in diesem Land gar nicht geht und ändert sein Abstimmungsverhalten kaum.

Text Bild Schere

PS: Bevor sich gleich die Gymnasiallehrer melden. Ja, mir ist bewusst, dass laut dem Ergebnis des DeutschlandTrends sehr wohl auch andere Koalitionen möglich sind, etwa Union und Grüne oder Union und AfD. Nur wären die Noten für Schwarz-Rot tatsächlich schlecht, müssten diese Parteien auch an Zustimmung verlieren und nicht dort landen, wo sie auch bei der Bundestagswahl schon lagen, als alle Experten in dem Ergebnis den offenkundigen Wunsch der Wähler nach einer Großen Koalition herauslasen.


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Wirre Trends in Prozent

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Die Medien erwecken weiterhin den Eindruck, dass Angela Merkel als präsidiale Kanzlerin gar nichts mit den Koalitionsverhandlungen zu tun hätte. Gestern hieß es, sie mahne SPD und Union zu Kompromissen. Als ob sie über den Dingen schwebe. Damit setzt sich fort, was schon unter Schwarz-Gelb galt. Merkel wird mit dem Regierungshandeln gar nicht in Verbindung gebracht. Hauptsache sie bleibt Kanzlerin, egal welcher Koalition sie vorsteht.

Um diesen Eindruck zu verfestigen, gibt es eine neue manipulative Umfrage von infratest dimap im Auftrag des ARD Morgenmagazins. Darin werden die Menschen gefragt, was gut für Deutschland sei. Alle zur Verfügung stehenden Antwortmöglichkeiten lassen aber nur einen Schluss zu. Gut für Deutschland ist, wenn Merkel Kanzlerin bleibt.

DeutschlandTrend_22.11.2013

Quelle: ARD

Die Große Koalition wünschen sich demnach noch 55 Prozent. Schwarz-Grün 32 Prozent und eine Minderheitsregierung 25 Prozent. Die Option Rot-Rot-Grün oder Minderheitsregierung Rot-Grün wird gar nicht erst abgefragt, da Merkel unter diesen Voraussetzungen nicht Kanzlerin bleiben könne. Interessant ist natürlich die Alternative Neuwahl, die inzwischen von 43 Prozent der Befragten befürwortet wird. Für die Demoskopen die Nachricht des Tages, da offenbar immer mehr Menschen die täglichen Wasserstandsmeldungen aus den Koalitionsverhandlungen nicht mehr ertragen können.

Doch auch bei dieser Variante bleibt Merkel Kanzlerin, zunächst geschäftsführend und, das legt die angeschlossene Sonntagsfrage nahe, auch bei einer Neuwahl. Dass die Zustimmung zu Neuwahlen steigt, liegt aber nicht an den Koalitionsverhandlungen, sondern vornehmlich an dem Versagen der Medien, die zunächst das Bündnis hochgeschrieben haben und nun allmählich merken, dass SPD und Union nur da weitermachen können, wo sie vor vier Jahren aufgehört haben, als allen die Große Koalition zum Halse heraushing.

Interessant ist auch, dass eine Mehrheit der Deutschen weiterhin Steuererhöhung zur Finanzierung politischer Projekte befürworte, diese Mehrheit aber weiterhin jene Parteien auf dem Wahlzettel ankreuzen würde, die ein solches Programm dezidiert ablehnen. Unterm Strich ist klar, auch diese Umfrage ist unbrauchbar. Das einzige was sie belegt, ist der geistige Schaden, den Kampagnenjournalismus bei Demoskopen und Befragten offenbar angerichtet hat.

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