Städtebund jammert über Investitionsrückstand

Geschrieben von: am 04. Jan 2013 um 15:50

Der deutsche Städtebund jammert über einen Investitionsrückstand in einer geschätzten Höhe von 100 Milliarden Euro. Das ist der Preis für die schwarze Null in den öffentlichen Finanzen. Denn die Kommunen sparten sich vor allem Investitionen in den Erhalt der Infrastruktur. Nun schlägt der Deutsche Städte- und Gemeindebund Alarm.

“Der Verfall der Infrastruktur wird zunehmend zur Wachstumsbremse. Bei Schulen, Straßen und öffentlichen Gebäuden wird seit Jahren eher geflickt als grundlegend renoviert”, sagte Präsident Christian Schramm.

Interessant ist nun, dass jene Forderungen, die kurz vor Weihnachten aus dem Schäuble Ministerium als neues Sparprogramm bereits durchsickerten und umgehend dementiert wurden, nun schon als Möglichkeit genannt werden, um neue Einnahmen zu erzielen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer dürfe nach Aussage des Verbandes nicht mehr tabuisiert werden. Gleichzeitig müssen, wie immer bei solchen Kostendiskussionen, mal wieder alle Sozialausgaben auf den Prüfstand. Denn, so der Präsident des Städte- und Gemeindebundes, die Sozialausgaben würden immer weiter steigen. Im Jahr 2002 betrugen sie 28,2 Milliarden Euro und 2012 schon 45,5 Milliarden. “Das ist einfach nicht machbar”, empört sich Schramm.

Man möchte dagegen halten, diese geistigen Tiefflieger in Amt und Würden sind einfach nicht hinnehmbar! Wenn man sich die Sozialleistungsquoten der oben angeführten Jahre anschaut, also die Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt – und nur diese Größe zählt – wird man ganz leicht feststellen, dass die Ausgaben gemessen am BIP im Jahr 2002 höher waren als heute. Insgesamt liegt das Niveau bei rund 30 Prozent und damit kaum höher als 1975. Hier stellt sich also überhaupt nicht die Frage, ob wir uns das leisten können, sondern die Frage, wie weit man den Sozialstaat eigentlich noch auf Grundlage von falsch verstandenen Zahlen zerstören möchte. 

Sozialleistungsquote

Quelle: BMAS

Sozialleistungsquote_II

Quelle: Sozialpolitik aktuell

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. der-olli  Januar 4, 2013

    Es gibt noch eine Möglichkeit die Mehrwehrsteuereinnahmen zu erhöhen…..
    Aber DA kommen die NIE drauf.

  2. El-Dourado  Januar 4, 2013

    Zuerst einmal: Deine Seite ist sehr interessant, weil ich mich in Deinen Gedanken und Aussagen oft bestätigt sehe.

    Die Sozialpolitik der vergangenen Legislaturperioden ist mehr und mehr an dem Punkt angekommen, wo Menschen nur noch Waren sind und Kosten verursachen – so wie Kinder, deshalb wird der Nachwuchs ausgeklammert. Ganz zu schweigen von den Singlehaushalten, was eine Folge der menschlichen Gefühlsabkühlung ist.

    Die beiden Grafiken kenne ich; frage mich bitte nicht, woher. Ein PDF liegt mir vor, muss nur suchen.

    Was ich zu Olli noch anmerken möchte ist, das der im letzten Jahr, um den Oktober (?) die Presse doch schrieb, das den Kommunen die Einnahmen nur so hereinschiessen, weil der Aufschwung uns soviel Gutes bescherte….da wird der Affe im Käfig verrückt.

    Nun lese ich viele Blogs, Beiträge und Meinungen zum Thema. Zusammenfassend kann ich nur sagen, das der Abbau des Sozialsstaates, wie Mutti schön zu Weihnachten dem Volk ums Ohr haute, ein primäres und alternativloses Ziel ist, was ich weder akzeptieren kann noch der zukünftigen Generation erlauben will, weiterzuführen. Damit muss endlich aufgehört werden, gemeinsam und konsequent. Nur..wie die Massen für die Sache begeistern, wenn überall die Meinung vorherrscht, das der Staat zu viele Sozialkosten aufbringen muss? Komme mal dagegen an, es ist so öde.