Ein Jahr "Écrasez l’infâme!"

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Seit einem Jahr schreibe ich nun hier in diesem Blog. Am 3. November 2008 eröffnete ich noch fröhlich mit einem Beitrag “Der November rockt…“, in der Hoffnung, dass sich vielleicht mal was ändert. Damals konnte man noch mit einer gewissen Heiterkeit an die Verarbeitung des alltäglichen Wahnsinns herangehen. Heute aber weiß man schon gar nicht mehr, was man schreiben soll. So absurd ist die Realität inzwischen geworden.

Nehmen sie das Beispiel zu Guttenberg. Zum Nato-Bericht will er ja nix sagen. Da hat er erstmal jemanden mit beauftragt, den genau zu studieren. Dass die Bundesregierung Druck ausgeübt hat, was den Inhalt betrifft, sei’s drum. Zu Guttenberg hat Wichtigeres zu tun. Zum Beipsiel medienwirksam via Bild-Zeitung zu verkünden, was alle bereits wissen, nur die bisherige Bundesregierung nicht wahrhaben wollte.

“In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände”.
Quelle: Bild-Interview

Da werden jetzt aber wieder mit einem großen Nichts Punkte gesammelt und die staunende Öffentlichkeit klatscht reflexhaft Beifall, weil sie sich in ihrer wahrscheinlich unsicheren Annahme nun endlich bestätigt sieht.

Der Bundeswehrverband reagierte umgehend positiv auf Guttenbergs Äußerung. Verbandschef Ulrich Kirsch sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Halle/Mittwoch): „Wir sind dem Minister sehr dankbar, dass er die Dinge beim Namen nennt. Dadurch wird der Ernst der Lage deutlich. Unsere Frauen und Männer, die täglich dort im Kampf stehen, sagen, das ist Krieg.“ Der „Leipziger Volkszeitung“ (Mittwoch) sagte Kirsch, Guttenberg sei „eine Chance für die Bundeswehr“. Der Minister zeige, “dass er den Puls der Truppe fühlt“. Dazu gehöre die Erkenntnis, „dass die Soldatinnen und Soldaten, die in Kundus jeden Tag im Kampf stehen, dabei Tod und Verwundung erleben und selber töten müssen, diese Situation als Krieg empfinden“.

Quelle: Focus

Geht’s noch? Aber lesen sie mal das Statement von zu Guttenberg im Wortlaut bis zum Ende.

“Ich will ganz offen sein: In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden. Aber glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten? Und: Manche herkömmliche Wortwahl passt für die Bedrohung von heute nicht mehr wirklich. Ich selbst verstehe jeden Soldaten, der sagt: „In Afghanistan ist Krieg, egal, ob ich nun von ausländischen Streitkräften oder von Taliban-Terroristen angegriffen, verwundet oder getötet werde.“ Der Einsatz in Afghanistan ist seit Jahren auch ein Kampfeinsatz. Wenigstens in der Empfindung nicht nur unserer Soldaten führen die Taliban einen Krieg gegen die Soldaten der internationalen Gemeinschaft.”

Stabsunteroffizier der Reserve zu Guttenberg sagt ziemlich deutlich versteckt, dass die Bundeswehr in Afghanistan keinen Krieg führt, sondern nur die Taliban. Das hat vorher der Jung doch auch gesagt? Nur zu Guttenberg spielt sich als Schein-Intellektueller auf, der in die Niederungen des Alltagsverständnisses hinabsteigt und uns wie den Soldaten eigentlich sagen will, ihr seid alle einfach zu doof, um die juristischen, akademischen oder semantischen Feinsinnigkeiten auch nur ansatzweise zu kapieren. Es ist zwar kein Krieg, aber wenn euer Gefühl halt was anderes sagt, weil ihr nunmal im Gefecht nicht in der Lage seid, den deutlichen Unterschied zwischen schießenden regulären Feindstreitkräften und Taliban-Teroristen zu erkennen, hat von nun an keiner mehr was dagegen. Haften bleibt nun aber die große Geste des telegenen Politstars.

Ist das nun ein Paradigmenwechsel, wie die Bild-Zeitung behauptet und in ihrem Namen zahlreiche andere Medien wohl auch? Sicher nicht. Wie schrieb Egon W. Kreutzer doch so treffend in seinem letzten Paukenschlag:

Da ist er wieder, der windelweiche Abwäger und OPEL-Rettungs-Insolvenz-Prüfer Karl Theodor von und zu Guttenberg, der mit wohlgesetzten Worten solange alles sagt, was das Publikum daraus zu hören glaubt, bis die hinter den Kulissen herangepäppelte normative Kraft des Faktischen “alternativloses” Regierungshandeln erzwingt – die Aufstockung des deutschen Truppenkontingentes in Afghanistan, zum Beispiel.

Und wie Kreutzer möchte ich im November 1 nach Start dieses Blogs sagen. Mich gruselt.

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blogintern: Statistik 10/09

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Nach der Verlinkung des Blogeintrages “Mitternachtsspitzen: Das Kabarett wehrt sich gegen die politischen Verhältnisse” auf den NachDenkSeiten haben sich die Besucher und Zugriffszahlen in diesem Monat deutlich nach oben entwickelt. Erfreulich daran ist, dass sich nach dem einmaligen Peak der Schnitt der täglichen Besucher erhöht hat und stabil zu bleiben scheint. Das finde ich ganz toll und möchte mich daher wie immer bei allen Leserinnen und Lesern sowie den Mitdiskutanten herzlich bedanken. Wenn ihnen der Blog gefällt, sagen sie es ruhig weiter… :D

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blogintern: Statistik 09/09

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Wie bereits vorab berichtet, konnte dieser Blog seine Besucherzahlen im Vergleich zum Vormat noch einmal steigern und zum ersten Mal mehr als 1000 Besucher zählen. Auch die Zugriffszahlen sind weiter angestiegen. Das finde ich ganz toll und möchte mich wie immer bei allen Leserinnen und Lesern sowie den Mitdiskutanten herzlich bedanken. Wenn ihnen der Blog gefällt, sagen sie es ruhig weiter… :D

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blogintern: Statistischer Zwischenruf

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Wenn ich mich nicht verrechnet habe, wurde bereits heute die 1000er Marke an Besuchern in diesem Monat überschritten. Da dieser Blog das bisher noch nicht geschafft hat, dachte ich mir, das ist eine Extrameldung wert. :D

Ein großer Dank geht an alle fleißigen Mitleserinnen und Mitleser.

Die Monatsstatistik gibt’s dann wie gewohnt am 1. Oktober.

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blogintern: Twitter

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Da ja nun eine Twitter-Verknüpfung durch die Blogsoftware angeboten wird und man stets mit dem technischen Fortschritt gehen sollte, habe ich mir auch ein Twitter-Konto zugelegt. Unter der Adresse http://twitter.com/adtstar kann man nun die Blogeinträge verfolgen oder aber auch gedankliche Schnellschüsse von mir lesen, die beim Surfen durchs Netz entstehen. Der Firefox-Browser hat diesbezüglich ein praktisches Plugin, das es erlaubt, Textnachrichten direkt über die Adressleiste an ein Twitter-Konto zu verschicken.

Mal gucken, ob der Dienst tatsächlich etwas taugt. Ich bin da ja skeptisch. Vor allem was die Nachrichtenqualität angeht. Aber das sollte vielleicht auch nicht so sehr im Vordergrund stehen. Also in diesem Sinne. Für die, die es interessiert – Bitteschön… :D

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blogintern: Statistik 08/09

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An dieser Stelle darf ich erfreuliche Zahlen verkünden. Die Besucherzahlen haben sich im letzten Monat noch einmal deutlich nach oben entwickelt. Um etwa 50 Prozent. Auch die Zahl der Seitenaufrufe für diesen Blog steigt weiter an. Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser. Es wird sicherlich schwer sein, die positive Entwicklung zu halten oder gar noch zu steigern. Darum möchte ich sie auch dieses Mal darum bitten, wenn ihnen der Blog gefällt, sagen sie es ruhig weiter… :D

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blogintern: Statistik 07/09

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Hier ist wie immer die Blogstatistik für den abgelaufenen Monat. Ein leichter Rückgang bei den Besuchern. Vor allem in der ersten Hälfte des Monats gab es nicht viele regelmäßige Leser. Ich vermute mal, dass die Urlaubszeit da eine Rolle gespielt hat. In der zweiten Hälfte aber stiegen die Zugriffe wieder an. Einen Rekord gibt es bei den Seitenaufrufen. Offenbar wurde dann viel nachgelesen.

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Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser. Wenn ihnen der Blog gefällt, sagen sie es ruhig weiter… :D

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Kurze Schreibpause

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Um dem alltäglichen Medienwahnsinn zu entfliehen, mache ich erstmal eine Woche Urlaub. In dieser Zeit wird es hier voraussichtlich keine Einträge geben. Eigentlich wollte ich noch einen Beitrag zum Fall IKB liefern. Sie wissen schon. Das ist die Mittelstandsbank, die der Steuerzahler unter dem Steinbrückschen Slogan “Rettung des Finanzplatzes Deutschlands” bereits im Jahr 2007 mit über 10 Milliarden Euro über Nacht gerettet hat und die später für lumpige 150 Millionen an die Finanzheuschrecke Lone Star verkauft wurde, bei der Friedrich Merz, der kommende Unionskandidat für einen Kommissionsposten auf EU-Ebene, die Strippen zog. Nun bettelt die Bank wieder um Staatsgeld – sieben Milliarden. Ich füge hier mal die Kommentare ein, die dazu auf den NachDenkSeiten erschienen sind.

Anmerkung WL: Das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus. Da ist der Steuerzahler mit fast 10 Milliarden Euro zur Rettung der IKB eingesprungen. Dann wurde die angeblich gerettete Bank für lächerliche 150 Millionen Euro an die „Heuschrecke“ Lone Star verkauft. Danach stoppte Lone Star mit seiner Aktienmehrheit eine Sonderuntersuchung zu Pflichtverletzungen von Ex-Vorständen. Und ohne dass das Missmanagement aufgeklärt werden konnte, will nun Lone Star weitere 7 Milliarden Bürgschaften vom Staat.

Dabei gibt es konkrete Vermutungen, dass die IKB sich nicht nur mit Ramschhypotheken verspekuliert hatte, sondern dass sie für die Deutsche Bank als Bad Bank fungierte und von dieser einer große Menge Schrottpapiere übernommen hatte, die vermutlich auch jetzt noch auf der IKB lasten.

Es besteht weiter Anlass zu der Vermutung, dass die IKB auch deshalb zum Schnäppchenpreis an Lone Star verkauft wurde, damit die Rolle etwa von Finanzstaatssekretär Asmussen im Verwaltungsrat der früheren IKB nicht weiter thematisiert wurde.

Überdies ist es ein Skandal, dass z.B. Andreas Leimbach, der 10 Monate lang das Firmenkundengeschäft der IKB geleitet hat dafür 1,12 Millionen Euro kassierte. Und all diese merkwürdigen Vorgänge sollen nun noch mit 7 Milliarden Staatsbürgschaften honoriert werden.
Wo ist da eigentlich das „systemische“ Risiko? Zeigt sich hier nicht eher ein Risiko des Systems?

Kommentar unseres Lesers JK aus Nürnberg, dem ich wenig hinzuzufügen habe:

Liebe Nachdenkseiten-Redaktion,
wie Sie sicher aus eigener Erfahrung wissen, ist es leider oft schmerzhaft mit seinen Voraussagen recht zu behalten. Doch ich gehe jede Wette ein, dass den erneuten Forderung der IKB über weitere Garantien in der Größenordnung von sieben Milliarden Euro bald entsprochen wird, während man auf der anderen Seite bei Arcandor 50.000 Menschen ihre Existenzgrundlage verlieren lässt nur um einem schwachsinnigen Dogma zu entsprechen. “

Zum Abschluss noch etwas Musik. Gerade eben habe ich ein neues Musikvideo im Netz entdeckt. Das könnte ein möglicher Sommerhitkandidat sein… :>>

Hören und schauen sie einfach mal rein. Bis demnächst… :wave:

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