Der "Hundt" bellt mal wieder

Geschrieben von: am 16. Nov 2008 um 16:42

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Bundesregierung aufgefordert, zur Bekämpfung der Konjunkturflaute die Rentenbeiträge ab Januar um 0,3 Prozentpunkte zu senken.[…]
“Damit würden Arbeitgeber und Arbeitnehmer im kommenden Jahr um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet.”

Quelle: Reuters

Das käme allen zu Gute, meint der Arbeitgeberpräsident. Außer den aktuellen und zukünftigen Rentnern natürlich. Aber das schert den Lobbyisten sicher nicht weiter. In seinen Augen ist entscheidend, die sog. Lohnzusatzkosten zu senken.

Ich will jetzt gar nicht die Denkfehler über die Lohnnebenkosten breit diskutieren, dass haben die Kollegen von den NachDenkSeiten viel ausführlicher gemacht. Man kann das sogar unter einer eigenen Rubrik nachlesen.

Ich möchte es mir aber nicht nehmen lassen, die geistige Beschränktheit des Arbeitgeberpräsidenten vorzuführen bzw. offenlegen, für wie dumm er offenbar sein Publikum hält. Dieter Hundt sieht in einer Absenkung der Rentenbeiträge um 0,3 Prozent also einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Konjunkturflaute.

Bei 0,3 Prozent beträgt die Entlastung für einen Arbeitnehmer, mit einem Einkommen von 2500 Euro brutto im Monat (real liegt das Durchschnittseinkommen bei ca. 2250 Euro brutto im Monat), ganze 7,50 Euro. Davon sieht der Arbeitnehmer aber nur die Hälfte, also 3,75 Euro. Davon soll dann jetzt die Konjunktur anspringen? Tolle Rechnung Herr Hundt!

Viel schlimmer finde ich die bewusste Irreführung. Der Arbeitgeberpräsident verschweigt natürlich, dass der Arbeitnehmer mindestens vier Prozent seines Bruttoeinkommens in die “so sichere” private Altersvorsorge investieren soll, da das gesetzliche Rentenniveau beschlossenermaßen immer weiter sinken wird. Das wären dann in diesem Beispielfall 100 Euro pro Monat, die der Arbeitnehmer zusätzlich aufwenden muss, um sein Rentenniveau später überhaupt zu halten.

Wie angesichts dieser Fakten die Konjunktur anspringen soll, bleibt Dieter Hundts Geheimnis.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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