Warum gehen die Leute nach Hause?

Geschrieben von: am 07. Jul 2010 um 21:10

Die ARD-Außenreporter auf den Public-Viewing-Festen der Nation berichten, dass die Menschen nach dem Schlusspfiff einfach so nach Hause gegangen seien. Das ist natürlich eine ungewöhnliche und vor allem unvorhersehbare Entwicklung. Man sollte da aber nicht zuviel hineininterpretieren. Es könnte nämlich auch sein, dass einige morgen wieder arbeiten müssen und keinen Sinn darin sehen, der Super-Video-Analyse von Netzer und Delling zu folgen, die technisch mit dem Niveau der italienischen Nationalmannschaft bei dieser WM locker mithalten kann.

Da lobe ich mir doch den Jürgen Klopp, der einst im Jahr 2006 als Beckenbauer-Ersatz im ZDF einsprang, weil der Kaiser mit dem Hubschrauber umherfliegen musste. Klopp brachte gleich seinen eigenen Computer mit und erklärte der deutschen Öffentlichkeit und einem total inkompetenten Johannes B. Kerner den Fußball. Eine tolle Innovation. Andere Länder machen das schon längst, wir dagegen quatschen lieber mit Ex-Spielern über Belanglosigkeiten. Bei dieser WM war Jürgen Klopp nun aber bei RTL gelandet und musste mit Günther Jauch Späße machen. Seine tollen Analysen gerieten da eher in den Hintergrund bzw. mussten der Werbung dieses Kacksenders angepasst werden. Schade eigentlich.

Bei den Öffis hat man das mit der technischen Analyse versucht. Die ARD mit Delling und Netzer, nun ja lassen wir das. Lustig war das auch nicht. Und das ZDF bot mit Frau Müller-Hohenstein und ihrem inneren Reichsparteitag ein eher unterirdisches Niveau. Oli Kahn fand ich phasenweise gar nicht so schlecht. Das spanische Spiel hat er immer sehr gut erklärt. Trotzdem hätte er die Frau an seiner Seite ruhig wegbeißen können, so wie früher eben.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Careca  Juli 8, 2010

    Wäre es Dir ein innerer Vormarsch, Oxymorone würden verboten? Springst du auch auf den Zug von WELT ONLINE, die zuerst damit anfingen zu trommeln? Das ganze hat ein Geschmäckle wie das damals mit Carmen Thomas “Schalke 05” und die Aufregung darum. Für viele wäre es ein inneres Laubhüttenfest, würde mann Frauen als Kommentierende beim Fußball das Mikrofon verbieten. Nebenbei, kein Wort zu Mehmet, der Beckmann permanent ins Abseits laufen ließ?

    • adtstar  Juli 8, 2010

      Meine Kritik nährt sich nicht aus einer dumpfen Abneigung Frauen gegenüber, die Fußball kommentieren. Sie ist auch nicht sexistisch zu verstehen. Das weise ich mal entschieden zurück. Meine Kritik bezieht sich auf das seit Jahren unterirdische Niveau der deutschen Fußballkommentierung überhaupt. In dem Spiel gegen Australien sprach zum Beispiel der Kommentator Béla Rethy vom Vuvuzela-Terror und schwärmte gleichzeitig von deutschen Tugenden, die durch südländische Leichtigkeit bei den Spielern Özil und Khedira bereichert würde.

      Das habe ich als rassistische Äußerungen kritisiert (siehe hier http://tautenhahn.blog.de/2010/06/14/spiel-8798876/ und hier http://tautenhahn.blog.de/2010/06/13/halbzeit-8795609/ ). So einen Müll hört man seit Jahren, vor allem auch dann, wenn das Spiel anderer Mannschaften kommentiert wird. Frau Müller-Hohenstein reiht sich da nur nahtlos ein. Bei ihrer Äußerung kommt aber noch etwas anderes hinzu. Nämlich die Behauptung, dass der Ausdruck “innerer Reichsparteitag” eine gängige umgangssprachliche Formulierung sei, die in emotionalen Situationen wie diesen häufig gebraucht würde. Das wirft doch einige Fragen auf, auch hinsichtlich vorhandener Medienkompetenz.

      Zu Mehmet Scholl und Beckmann kann ich nichts sagen, da ich von diesem Duo kaum etwas mitbekommen habe. Was mich nur stört ist das deutsche Präsentationsformat. Ein Moderator, der ständig dumme Fragen stellt und ein “Experte” (meist ein Ex-Spieler) der zwischen der Frage ob Abseits oder nicht, ein paar Plattheiten und Floskeln von sich gibt. Das hat der Fußball einfach nicht verdient.