Zu den Arbeitsmarktdaten

Geschrieben von: am 28. Jan 2010 um 17:18

Ich mache es kurz, in dem ich ihnen mal ein paar Überschriften präsentiere, die geschrieben wurden, als die Bundesagentur für Arbeit die Zahlen bekannt gegeben hat.

Winter treibt Arbeitslosigkeit in die Höhe (siehe Deutsche Welle)

Mehr Arbeitslose wegen Kälte (siehe Frankfurter Rundschau)

Kurzarbeit sei Dank: Arbeitsmarkt trotzt auch im Januar der Krise (siehe Stern)

Winter-Schock bleibt aus (siehe Bild)

Robuster Arbeitsmarkt sorgt für Optimismus (siehe RP-Online)

Arbeitsmarkt zeigt sich krisenfest (siehe Financial Times Deutschland)

Eis-Winter treibt Arbeitslosenzahl nach oben (siehe Zeit)

Das soll erstmal reichen. Die Euphorie bzw. der Bezug zur Jahreszeit in den Überschriften liegt sicherlich auch in dem Statement der Bundesarbeitsministerin begründet. Ursula von der Leyen sagte heute zu den Zahlen:

„Der Anstieg der Arbeitslosen um 342.000 ist eine hohe Zahl, hinter der sich viele Einzelschicksale verbergen. Dahinter steckt allerdings ein hoher saisonaler Effekt. Der Winter hat das Land zu Jahresanfang fest im Griff. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit im Januar eher typisch für diesen Monat und gegenüber dem Vorjahresmonat um nur 6.000 Arbeitsuchende angestiegen. Nach wie vor wirkt die Kurzarbeit als Puffer und Stabilisator des Arbeitsmarktes. Die meisten Arbeitgeber halten wie in 2009 trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiter an Ihren Beschäftigten fest.“

Quelle: BMAS

Es gilt nach wie vor der Satz: Im Winter ist es überraschend kalt! Man kann sich schon gar nicht mehr an den Kopf fassen, weil die betroffene Stelle zu sehr schmerzt. Alles scheint im grünen Bereich, so der Eindruck. Die Wirtschaft wächst laut „Weinfass“ Brüderle und die Tatsache, dass die 4-Millionen-Marke bei den Arbeitslosenzahlen in diesem Jahr nicht gerissen wird, feiert man überall als Erfolg. Nur mal zum Vergleich die Überschrift des österreichischen Standard zu den deutschen Arbeitsmarktdaten:

Zahl der Ar­beits­losen nimmt deutlich zu

Die Ösis finden wenigstens die richtige Botschaft für ihre Überschrift.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Teja552  Januar 28, 2010

    Wie unterwürfig und im gleichen Tonfall unsere Zeitungen diese geschönten Zahlen weitergeben ist schon sehr erstaunlich, aber sicher, die Medien sind nicht gleichgeschaltet/Ironie aus!

    Der Ton der Ösis hört sich da schon ganz anders an!

    • adtstar  Januar 28, 2010

      Wobei man auch bei den Ösis dazu sagen muss, dass sie ebenfalls nur die Sprachregelung der Bundesagentur übernehmen.

      Man muss die morgigen Kommentare abwarten. Da sieht man dann klarer.

      • Teja552  Januar 28, 2010

        Naja was wollen sie auch machen, sind ja nicht deren Daten und auch nicht ihr Problem, morgen werden wir mehr wissen das denke ich auch!

  2. Einhard  Januar 28, 2010

    Sieht man die widersprüchlichen Überschriften so nebeneinander, möchte man eigentlich lachen, nur das soviel Dummheit nicht zum lachen ist…

  3. Careca  Januar 29, 2010

    Im Kommentarbereich der ZEIT fand ich folgendes und zitiere es mal hemmungsfrei und ohne weiteren Kommentar:

    „Überraschend geringer Anstieg der Erwerbslosigkeit.“ (Februar 2009)
    „Experten hatten mit noch schlimmerem gerechnet.“ (Februar 2009)
    „Arbeitslosigkeit stieg nicht so stark an wie von Experten befürchtet.“ (März 2009)
    „Jobwunder überrascht Experten“ (April 2009)
    „Krise schlägt im Mai nicht so stark zu wie befürchtet.“ (Mai 2009)
    „Experten hatten schlimmeres befürchtet.“ (Juni 2009)
    „Anstieg der Arbeitslosigkeit geringer als erwartet.“ (Juli 2009)
    „Arbeitslosigkeit sinkt überraschend.“ (August 2009)
    „Die Daten fielen besser aus als befürchtet.“ (September 2009)
    „Arbeitslosigkeit sinkt im Oktober überraschend.“ (Oktober 2009)
    „Überraschender Rückgang der Arbeitslosigkeit trotz düsterer Expertenschätzungen.“ (November 2009)
    „Arbeitsmarkt bleibt im Dezember überraschend robust.“ (Dezember 2009)
    „Experten und Analysten waren positiv überrascht“ (Januar 2010)

    Quelle: hier

  4. Notizen an das Leben  Januar 29, 2010

    Wasserstandsmeldung in Sachen Arbeitslosigkeit
    Die Wasserstandszahlen für den Januar sind wieder veröffentlicht. Keine ifo-Zahlen oder neuste Umfragewerte, nein, schlicht und ergreifend die Arbeitslosenzahlen.

    Ach so, denkt sich der Leser, die. Ja, da war doch was. Zumindest irgendwas, nicht wah…