Wachstumsprognose: Es werden noch mehr Eier fliegen

Geschrieben von: am 14. Apr 2011 um 14:05

Kaum verkündet Brüderle, einen höheren Alkoholspiegel, quatsch, ein höheres Wirtschaftswachstum für dieses Jahr zu erwarten, fliegen auch schon die Eier auf Maschmeyers besten Freund und Bundespräsident Christian Wulff in Wiesbaden. Der war dort zu seinem Antrittsbesuch im Bundesland Hessen. Es ist natürlich etwas irritierend, dass der Herr Bundespräsident rund zehn Monate nach seiner Wahl noch Antrittsbesuche absolviert. Möglicherweise war der mutmaßliche Eierwerfer auch verwirrt und hatte vorher vergeblich versucht, jemanden über die neue Behördenrufnummer 115 zwecks Klärung des Vorgangs zu erreichen.

Aber ich war ja noch beim Prost-Brüderle:

“Der Aufschwung in Deutschland steht auf einem breiten Fundament. Die Inlandsnachfrage gewinnt zunehmend an Kraft. Das macht unsere Wirtschaft insgesamt widerstandsfähiger. Angesichts der aktuellen Rohstoffpreisentwicklung, der Katastrophen in Japan und der noch nicht ausgestanden Schuldenkrise im Euroraum wird sich das auszahlen. Unsere Binnenwirtschaft wird gleichermaßen von Investitionen und Konsum getragen. Die fast schon traditionelle deutsche Konsumschwäche ist überwunden – die Zuwächse des privaten Konsums liegen deutlich über denen des letzten Jahrzehnts. Das ist angesichts der hinter uns liegenden Krise eine beachtliche und erfreuliche Zwischenbilanz.”

Quelle: BMWi

Wenn ich mich an die letzte Weissagung der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) erinnere, dann war die Begründung genau andersherum.

Ein zuletzt unsicherer gewordenes internationales Umfeld sowie wachsende Inflationsängste haben im März dafür gesorgt, dass die Verbraucherstimmung leicht an Wert verloren hat. Diese Faktoren haben damit die nach wie vor günstigen Rahmenbedingungen für die Verbraucher, wie steigende Beschäftigung und Einkommen, überlagert. Dennoch bleibt das Niveau der Konsumstimmung weiterhin recht hoch. Mögliche Effekte der Natur- und Umweltkatastrophe in Japan können noch nicht berücksichtigt werden, da zum Zeitpunkt des verheerenden Erdbebens und seiner Folgen die Befragung bereits abgeschlossen war.

Quelle: GfK

Während Brüderles Aufschwung ein wackeliges internationales Umfeld nichts anhaben kann, warnt die GfK vor einer Eintrübung der Verbraucherstimmung gerade aus diesem Grund. Beide Behauptungen haben recht wenig mit dem privaten Konsum zu tun. Sie dienen mehr der allgemeinen Verwirrung.

Das Wegbrechen der internationalen Absatzmärkte ist absehbar, wahrscheinlich auch für Brüderle. Deshalb schwört er die Öffentlichkeit auf eine scheinbare Blüte des Binnenkonsums ein. Bei der GfK zeigt selbst die hirnrissige Kategorie einer irgendwie gemessenen “Kaufneigung” der Deutschen nach unten, was einer gleichfalls hirnrissigen Begründung bedarf. Nur, weder Fukushima, noch Gadaffi oder die Finanzkrise sorgen für die hiesige Kaufzurückhaltung, sondern schlicht und ergreifend das fehlende Geld durch stagnierende oder real rückläufige Masseneinkommen. Zudem sind Brüderles Beschäftigungsrekorde teuer mit einer dramatischen Zunahme prekärer Beschäftigung erkauft.

Immer mehr Menschen sind zusätzlich auf Sozialleistungen angewiesen, zuletzt haben 7.456.373 Menschen in diesem Land entweder Arbeitslosengeld I, II oder Sozialgeld bezogen. Brüderles Jobwunder-Gehabe und Prognose über abnehmende Arbeitslosenzahlen und Vollbeschäftigung bleibt weiterhin lächerlich!

Die Wachstumsprognose der Bundesregierung ist ein Witz. Die Inlandsnachfrage wird nicht zu einer Stütze der Konjunktur werden. Im letzten Jahr trug der private Konsum gerade einmal mit 0,7 Prozent zum Anstieg des BIP (3,5%) bei. Für dieses Jahr wird laut Konjunkturprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute eine Zunahme der Kaufkraft um lediglich 1,0 Prozent erwartet. Brüderle schwadronierte heute von einem kräftigen Kaufkraft-Plus. Woher soll denn nun der neuerliche Konsumboom kommen, der zum XXL-ten Mal angekündigt wird?

Meine Prognose ist, dass es noch mehr fliegende Eier auf Politiker geben wird. Wetten?

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Teja552  April 14, 2011

    Ich schließe mich deiner Prognose an, naja und solange es nur Eier sind, sind diese Politiker noch gut bedient…

    Was der Brüderle da immer faselt….

  2. Ormuz  April 14, 2011

    Oh ich weiß gar nicht was Du hast, die Leute geben doch immer mehr Geld aus – für Mieten, für Strom, für Sprit ….
    ach, das fällt nicht unter Privatkonsum ? Na so ein Pech aber auch :>

  3. ingel  April 14, 2011

    Hoffe, Sie gewinnen die Wette – so sich überhaupt jemand traut dagegen zu wetten.

    Nur, bei den Löhnen können die meisten Leute gar nicht so viele Eier kaufen, wie sie werfen möchten.

    • adtstar  April 15, 2011

      Neulich habe ich XXL-Packungen für den gleichen Preis bei einem Discounter gesehen… ;)

  4. Arnold  April 15, 2011

    Letzte Woche, ich denke am Donnerstag, wurde in den Fernsehnachrichten verkündet, dass wir dieses Jahr voraussichtlich mit 2,8% Wirtschaftswachstum rechnen dürfen. Kurz darauf wurde in den selben Nachrichten darauf hingewiesen, dass die Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate von derzeit 2,4% liegen und Beschäftigte daher effektiv weniger in der Tasche haben.
    Irgendjemand muss ja dementsprechend mehr als zusätzlich 2,8% Einkommen erwarten. Die billigste Methode dies deren Melkkühen – der arbeitenden Bevölkerung – schmackhaft zu machen ist es, Herrn Brüderle ein paar Vergünstigungen dafür in Aussicht zu stellen, dass er das Märchen vom zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung verbreitet.
    Und diese “Einkommenssenkungsgewinnler” können sicher sein dass deren Botschaft deutlich mehr Menschen hören, als alle Blogger zusammengenommen erreichen.

    • adtstar  April 15, 2011

      Das ist richtig. Nur die Hoffnung besteht darin, dass immer mehr Menschen die Widersprüche auffallen. Erst recht, wenn sie in verschiedenen Meldungen einer Nachrichtensendung auftauchen.