Deutsche Exporte im Deutschlandfunk

Geschrieben von: am 08. Feb 2012 um 15:27

Das statistische Bundesamt vermeldete am Mittwochmorgen Rekordwerte bei Aus- und Einfuhren. Demnach habe der Export im Jahr 2011 die Billionenmarke geknackt. So reißerisch konnte man das zumindest in zahlreichen Medienberichten nachlesen. Auch im Deutschlandfunk lautete die Schlagzeile “Deutsche Exporte knacken die Billionenmarke”. In der zweiten Überschrift kam dann schon die Einschränkung, “Überraschend starker Rückgang im Dezember”.

Denn trotz der “deutlichen Bremsspuren” im Dezember, habe der deutsche Außenhandel einen neuen Rekord eingefahren. Wofür der nun gut sein sollte, erklärt der Bericht nicht, wohl aber die Besorgnis über den starken Einbruch der Ausfuhren im Schlussquartal des abgelaufenen Jahres. Das habe auch Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft meinen Experten wie der Volkswirt der Landesbank Hessen-Thüringen, Stefan Mütze. Er rechnet damit, dass das Minus im vierten Quartal 2011 vor dem Hintergrund des schwächelnden Exports deutlicher ausfallen werde.

Daraus schließen andere Ökonomen, dass die ersten drei Monate des neuen Jahres ähnlich schlecht verlaufen werden.

Man gehe mit angezogener Handbremse in dieses Jahr, meinen Volkswirte. Denn neben den Exporten sind auch Produktion und Industrieaufträge zurückgegangen. Deshalb könne die Wirtschaft auch im ersten Quartal schrumpfen. Damit wäre nach dem Rückgang zum Jahresende die Definition einer Rezession erfüllt.  

Und so wird aus dem vielumjubelten Knacken der Billionenmarke bei den Exporten plötzlich das reale Szenario einer definitionskonformen Rezession, weil die deutsche Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpfen könnte. Auch bei gutem Willen kann man so einen Befund wohl kaum als “Wachstumsdelle” bezeichnen, sondern als einen sehr bedenklichen Zustand, den selbst die theoretischen Modelle der herrschenden Lehre als solchen erkennen.

Aber nichts da. Der Ökonom der Landesbank meint, es gebe etwas, das dagegen spräche:

„Was ein bisschen dagegen spricht, ist natürlich, dass wir seit drei Monaten wieder einen Anstieg des ifo-Geschäftsklimas haben, eigentlich ein zuverlässiger Indikator. Und der spricht so ein bisschen dagegen. Dass es allzu schlimm kommen wird.”

Die herrschende Ökonomie lässt sich nicht beirren. Auch wenn die heiligen Kennzahlen etwas anderes aussagen als erhofft, so wird die akademische Kaffeesatzleserei, die auf der Befragung von Glaskugelbesitzern beruht zum entscheidenden Argument gegen den statistisch verbrieften Trend. Ein Armutszeugnis. 

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Einhard  Februar 8, 2012

    Ich sattle um auf Kaffeesatz & Glaskugel (also den K&G-Index), damit scheint Staat zu machne zu sein :>>