Das Schweigen der Kanzlerin

Geschrieben von: am 24. Aug 2015 um 12:01

Nach den rechtsextremen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau macht die Netzwelt unter dem Hashtag #merkelschweigt die engagierte Haltung der Kanzlerin in dieser Frage zum Thema. Die Tagesschau fasst ihre Stimme als eine von vier wie folgt zusammen:

Aber nicht nur im Internet wird Kritik geübt. Auch die Abendzeitung aus München geht in ihrer heutigen Ausgabe darauf ein. Sie druckte auf Seite 10 unter dem Bericht über die Randale eine leere Fläche mit der Überschrift: „Und das sagt die Bundeskanzlerin“. Zu sehen ist nur ein Bild der Regierungschefin mit der Unterzeile: “Sprachlos? Angela Merkel.” Links daneben eine erklärende Botschaft: “Hier könnte Angela Merkels eindringliche Rede an die Nation stehen.” Rechts der Kommentar von AZ-Redakteur Timo Lokoschat, der auch online zu finden ist. Er schreibt unter anderem:

Um dieses Fehlen, diese Lücke zu dokumentieren, sie augenfällig zu machen, haben wir den oben abgebildeten Artikel leer gelassen. In der Hoffnung, dass Angela Merkel ihn in diesen Tagen füllt.

 

Doch diese Hoffnung erfüllt sich erst einmal nicht. Denn Merkel selbst schweigt weiterhin, obwohl sie ja bekanntlich alle digitalen Kanäle für viel Geld hat erschließen lassen. Ihren Regierungssprecher lässt sie dann aber doch wie im falschen Film verkünden:

Dann dürften wir wohl alle schlauer sein oder auch nicht…


Ergänzung: Inzwischen hat Merkel durch Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten lassen, dass sie und die gesamte Bundesregierung die Gewalt gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte verurteile.

“Es ist abstoßend, wie Rechtsextreme und Neonazis versuchen, rund um eine Flüchtlingseinrichtung ihre dumpfe Hassbotschaft zu verbreiten. Und es ist beschämend, wie Bürger, sogar Familien mit Kindern, durch ihr Mitlaufen diesen Spuk unterstützen”, ließ die Regierungschefin ihren Sprecher Steffen Seibert erklären. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für Gewalt. Wer so handele wie in Heidenau, stelle sich weit außerhalb der Werteordnung.

Quelle: Spiegel Online

Darüber hinaus plane die Kanzlerin zum gegebenen Zeitpunkt eine Flüchtlingsunterkunft zu besuchen. Denn heute steht erst einmal der Einmarsch des ukrainischen Präsidenten Poroschenko auf dem Programm. Verzeihung, der Besuch. Einmarschieren wollen die Russen mal wieder.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Gudrun Tümler-Bootz  August 24, 2015

    Hallo André,

    ich habe heute einen Brief an den Bürgermeister von Heidenau verfasst, den ich morgen abschicken werde; sowohl real als auch via e-mail.
    Mein Vater wurde 1912 in Heidenau geboren. Im Zuge seiner Militärzeit kam er nach Rheinland-Pfalz, lernte seine Frau kennen … und dann kam er in Frankreich in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Das zum Hintergrund.
    Von ihm habe ich Toleranz gegenüber anderen Nationalitäten, anderen Rassen und anderen Religionen gelernt und lebe bis heute danach.
    Er würde im Grab rotieren, wenn er diese Aufmärsche der heutigen Heidenauer sehen würde.

    Gudrun Tümler-Bootz