Wie man einen Bahnhof begräbt

Geschrieben von: am 05. Okt 2010 um 15:38

Offiziell soll das Mamutprojekt Stuttgart 21 um die vier Milliarden Euro kosten. Nun ist aber herausgekommen, dass es für dieses hübsche Sümmchen Steuergeld nicht einmal Signalanlagen bzw. Oberleitungen im Tunnel geben soll. D.h., dass der neue unterirdische Bahnhof, der ja laut Bundeskanzlerin Angela Merkel Europa in Zukunft von West nach Südost verbinden soll, von herkömmlichen Zügen gar nicht angesteuert werden kann.

Quelle: Stern

Demnächst sollen die Arbeiten für die Tunnel vergeben werden, allerdings, wie die Projektberichte zeigen, “ohne eisenbahntechnische Ausrüstung”. Oberleitungen sind in den Tunnel ebenso wenig vorgesehen wie Signalanlagen. In einem Protokoll vom Juli heißt es: “Aktuell fehlen systemrelevante Entscheidungen im Hinblick auf Oberleitungsanlagen und Signaltechnik.” Und: “Derzeit keine Zulassung für System Stromschiene bei Geschwindigkeit 160 km/h.”

So kann man natürlich auch einen Bahnhof beerdigen. Und was die engere Verbindung von West- und Südosteuropa angeht, da sollte die Bundeskanzlerin noch einmal den Aufwand in Relation zur Nachfrage überprüfen bzw. die Realität des europäischen Zugverkehrs zur Kenntnis nehmen. Befürworter wie Merkel tun ja gerade so, als sei es bisher unmöglich gewesen, mit dem Zug durch Europa zu reisen. Mit Stuttgart 21, wie es im Augenblick geplant ist, wenn man das überhaupt als Planung bezeichnen kann, wird dann wohl das Gegenteil Realität.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Teja552  Oktober 5, 2010

    Tja ich weiß nicht, ich kann diesen ganzen Argumenten für den Bahnhof eh nichts gutes abgewinnen, mal ganz davon abgesehen was er am Ende wirklich kosten würde!

    Ich denke mal, man sollte Stuttgart 21 lieber jetzt begraben so lange noch keine Aufträge vergeben sind und dafür auch noch keine Gelder gezahlt wurden….noch geht es!

    • amufer  Oktober 5, 2010

      Selbstverständlich sind die Aufträge vergeben. Die Mauschel-Kumpels bewirten einander.

      Zwei “Argumente für” den Bau:
      1. Die wenigen Profiteure erzielen hohe Grundstücks- und Immobilienpreise auf dem bisherigen Gleisfeld;
      2. Durch eine zig-kilometer-lange, finstere Tunnelröhre kann man ein paar Minuten schneller nach Ulm fahren, vielleicht, aber zum Beispiel nicht mit Dieselzügen.
      Die Profiteure fahren nicht mit der Bahn. Ihr “Grundwasser-Management” ist übrigens eine heiße, haarige Sache, eine haarsträubende. Tausend Erschwernisse, vielfache Zerstörung.

      Schaut nach unter: http://www.kopfbahnhof-21.de

      • Teja552  Oktober 6, 2010

        Ich weiß und diese Argumente kenne ich bereits, naja für derlei Argumente habe ich nichts übrig, genauso wenig wie für Profiteure die nicht mit der Bahn fahren.

        Danke für den Link, habe dort schon das wesentliche gelesen!

        Alles gute noch!

  2. Ormuz  Oktober 5, 2010

    Richtig, man sollte besser die Idee im Erdreich versenken, das wäre besser.

  3. Anonymous  Oktober 6, 2010

    Ich schätze eher dort wurden schon Grundstücke und Aufträge vergeben an die man sich nunmehr gebunden fühlt. Irgendjemand verdient ja kräftig an dem Umbau.

  4. Careca  Oktober 6, 2010

    Zur Erinnerung und zur Überlegung, was in Stuttgart geschehen sein mag:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33444/1.html