Währungsmanipulation wohin man schaut

Geschrieben von: am 12. Jan 2011 um 16:30

Gerade freuen sich die Europäer, dass Portugal heute seine Anleihen im Volumen von 1,25 Mrd. Euro platzieren konnte und damit nicht in Refinanzierungsprobleme geriet. Die Portugiesen wollten nicht mehr als sieben Prozent Rendite zahlen. Nun sind sie ihre kurzzeitigen Staatsanleihen für 5,4 und die langfristig laufenden Papiere für 6,7 Prozent losgeworden. Ein Grund zur Freude ist das aber nicht, weil die hohen Risikoaufschläge trotzdem bezahlt werden müssen. Portugal muss seine beschlossenen Sparmaßnahmen also nicht nur durchhalten, sondern wahrscheinlich noch ausbauen, wenn die Wirtschaft, was zu erwarten ist, weiter einbricht.

Wer kauft nun portugiesische Papiere oder die der anderen Defizitländer? Nun es sind vor allem die Chinesen, Japaner und Brasilianer, die wiederum eine Aufwertung ihrer Währungen verhindern wollen und deshalb den Euro stützen. Die wollen nämlich wie die Deutschen auch exportieren und eine zu starke eigene Währung mindert bekanntlich die Absatzchancen. Da haben alle bei den Deutschen gelernt.

Unsere Wirtschaftsfachnasen und unsere politischen Laiendarsteller hatten ja kürzlich vollmundig der ganzen Welt empfohlen, sich am deutschen Wirtschaftsmodell ein Beispiel zu nehmen. Das Dumme ist nur, dass nicht alle gleichzeitig exportieren können, ohne dem anderen etwas wegzunehmen. Aus diesem Grund wird Frau Bundeskanzlerin dann morgen auch um die Ecke gebogen kommen und wieder etwas Blödes zur Eurorettung sagen, damit der Kurs wieder schön auf Talfahrt geht und die deutsche Exportwirtschaft weiter feiern kann.

Aber amüsant ist es schon, wenn ausgerechnet die Chinesen den Euro retten, weil die Europäer dazu nicht in der Lage sind. Ich meine, derzeit reden alle über die Wege zum Kommunismus. Dabei führt der Weg des aktuell gültigen Kommunismus direkt zur Stabilität des Euro und darüber hinaus zu hohen Zinserlösen auf der Seite der kommunistischen Finanzanleger. Also wenn das kein Lacher ist.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Megahoschi  Januar 12, 2011

    Schönen guten Abend

    Na ob das was die Chinesen machen wirklich Kommunismus oder vielleicht doch das, was man mal als STAMOKAP- Staatsmonopolkapitalismus bezeichnet hat ist. Bei den Chinesen wundert mich schon lange nichts mehr, ich staune allerdings wo die Japaner das Geld für portugiesische Anleihen her nehmen, Die sind doch finanziell weit fertiger als Europa.

    • adtstar  Januar 12, 2011

      Bei der Debatte in Deutschland geht es ja auch nicht wirklich um den Kommunismus. Darauf wollte ich hinaus. ;)

      • Helge Henschke  Januar 14, 2011

        Bliebe ggf. exemplarisch zu klären, wie der Begriff “Kommunismus” zumindest pragmatisch konsensfähig (d.h.nicht nur bedeutungsschwer sondern auch sinnvoll)zu definieren wäre.
        Mir persönlich scheint er von allen Seiten willkürlich reflexhaft behandelt zu werden und daher kaum diskurstauglich zu sein.
        Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation sollte es erstrebenswerter sein, die gegenwärtigen sozialen und globalen Prozesse einem vernünftigen Arbeitsbegriff zuzuordnen, anstatt auf irgendwelche, vom bunten Politzirkus achso rechtzeitig hingeworfenen Knochen zu beißen.

  2. Bravebavar  Januar 14, 2011

    … kein Vorwurf an Fraut Lötzsch, daß sie (Aus-)Wege aus dem herrschenden Kapitalismus und Alternativen dazu sucht. Aber sogar wenn sie Kommunistin wäre, wie man suggerieren will, was wäre schlimm daran? Auch als Kommunistin kann man in Deutschland ‘was werden, zum Beispiel Bundeskanzlerin! Unsere Angela war doch in der Jugendorganisation der SED, war das nicht kommunistisch? Sie war da doch Jungscharführerin – oder sowas ähnliches … Und als Protestantin in der zweiten Generation ist sie doch erst sehr spät zur Demokratie konvertiert … mit schrecklichen Folgen für diese Regierungsform …