Zu Guttenberg unter Phantom-Beschuss

Geschrieben von: am 15. Nov 2009 um 18:47

Haben sie die Meldung der Bild am Sonntag auch gehört? Angeblich wurde der Hubschrauber, mit dem James “zu Guttenberg” Bond im Auftrag ihrer Majestät Angela der Zweiten über Afghanistan unterwegs war, von Taliban beschossen. Bild schreibt

Wenige Minuten nach dem Abflug aus dem Stützpunkt Kunduz gerät der Hubschrauber-Konvoi (drei CH-53) des Ministers unter Beschuss! Gott sei Dank kein Treffer.

Gott sei Dank kein Treffer? Man fasst es ja nicht, wie blind die Taliban sein müssen. Immer wenn ein deutscher Regierungsvertreter in der Nähe ist, ballern die blind drauf los. Treffen aber Gott sei Dank nie. Also entweder überschätzen wir den Feind total, was nach so vielen Jahren Kriegseinsatz nicht wahrscheinlich ist oder die haben vielleicht gar nicht geschossen.

Als ich heute Nachmittag mit meiner Familie im Eiscafé saß, das sich in einer Einkaufsmall befindet und umringt ist von Monitoren, auf denen Nachrichtentexte in Endlosschleife laufen, las ich die Meldung aus der Sicht von n-tv. Die schreiben nun

Der Hubschrauber von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist in der Nähe von Kundus ins Visier von afghanischen Rebellen geraten.

Die Piloten hätten den Eindruck gehabt, der Hubschrauber sei beschossen worden, sagte ein Sprecher der Bundeswehr.

Aha. Hätte also auch was anderes sein können. Lustig ist besonders der Zusatz bei Bild, dass man zu Guttenberg, der sich ja nun im Haubschrauber aufhielt, extra informieren musste, dass etwas vorgefallen war. Offenbar ist so ein Hubi groß und weitläufig genug, dass man nicht auf Anhieb mitbekommt, wenn der Bordschütze eine Salve Maschinengewehrfeuer absetzt.

Also ehrlich. Für mich klingt das nach dümmlicher Kriegspropaganda. Das fing schon mit den James Bond Fotos an, die den Eindruck vermitteln sollten, zu Guttenberg braucht keine politischen Positionen zu vertreten, sondern nur eine gute Figur machen, bis Onkel Obama mal sagt, wie es in Afghanistan nun weiter gehen soll. Und den Abschluss bildet der obligatorische Angriff auf den Minister, der cool bleibt und sagt, dass er wiederkommen werde. Das ist aber nun eindeutig von Schwarzenegger geklaut oder?

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort mit anderen Mitarbeitern für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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