Die Sond(i)erbaren

Geschrieben von: am 23. Okt 2017 um 21:44

Quelle: Bundestag / © DBT/Klimpel

Die offizielle Sitzordnung im Deutschen Bundestag, wie sie auf der Webseite des Parlaments grafisch abgebildet ist, macht eigentlich klar, wer die Mehrheit hat. Es sind CDU/CSU, FDP und die Partei, in der sich vor allem ehemalige FDP-, CDU- und CSU-Mitglieder unter der Bezeichnung AfD neu versammelt haben. Schon bei den Schnittmengen der Wahlprogramme lassen sich erstaunlich viele Übereinstimmungen zwischen FDP und AfD feststellen. Insofern sitzen die Liberalen schon richtig da, wo sie sitzen.

Nun verhandeln aber Union, FDP und Grüne über ein Jamaika-Bündnis, bei dem sich die Parteiprogramme eher weniger, dafür aber die Spitzenleute ganz gut miteinander verstehen. So geht Seehofer gern ins Trainingslager der Kanzlerin. Özdemir versucht ihr Schwäbisch beizubringen und der Rest der rund 50 Pennäler arbeitet zur Vorbereitung vorbildlich eine lange Liste von Kurzreferaten ab. Denn diese Woche wird die erste Klassenarbeit geschrieben.

Was kommt dran: Zunächst einmal ein paar leichte Aufgaben, wie Entfernungen vermessen zwischen hier und irgendeiner Insel in der Karibik. Andere beschreiben die Umgebung dieser Insel, längster Fluss und so, denn mit Straßen hierzulande kennen sie sich nicht so gut aus. Bevor es dann wirklich zur Sache geht, werden allerhand Finten gelegt. So eine Summe von 100 Mrd. Euro zum Beispiel, die der Spaß vier Jahre lang kosten könnte. Die Zahl stammt von den Mathe-Genies der Union, damit die wieder so tun können, als verstünden sie etwas von Haushaltspolitik.

Die Zahlenjongleure der Grünen haben via Bild-Zeitung verbreiten lassen, dass nur ein Vizekanzler in einer Dreierkonstellation einer zu wenig ist. Also fordern sie derlei zwei, wohl wissend, dass so etwas laut Verfassung gar nicht geht. Daher haben sie das natürlich auch so nie gesagt, sondern nur etwas mit einer Koordinierung auf Augenhöhe. Was genau damit gemeint ist, weiß keiner so genau. Vielleicht schicken sie jetzt noch mehr Leute zu den Sondierungen, damit die grünen mit den schwarzen Nullen endlich auf Augenhöhe sind.

Bleiben noch die Komiker von der einstigen Spaßpartei FDP. Deren Finanzexperten wissen genau, wo mit Privatisierungen noch was zu holen ist, um die teuren Wahlversprechen, sprich Steuersenkungen, auch erfüllen zu können und die Schwarze Null trotzdem zu halten. Wenn jemand weiß, wie man Geld verdient, dann die FDP. Allerdings gehen die liberalen Nebenverdienste den Rest der Republik einen „Scheißdreck“ an. Und während 708 Abgeordnete in der großen Runde alle Hände voll zu tun haben, regiert die Klassenlehrerin ab morgen einfach geschäftsführend weiter.

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Über den Autor:

André Tautenhahn (tau), Diplom-Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist. Seit 2015 Teil der NachDenkSeiten-Redaktion (Kürzel: AT) und dort unter anderem für die Zusammenstellung der Hinweise des Tages zuständig. Außerdem gehört er zum Redaktionsteam des Oppermann-Verlages in Rodenberg und schreibt für regionale Blätter in Wunstorf, Neustadt am Rübenberge und im Landkreis Schaumburg.
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Kommentare

  1. Hartmut Schwarz  Oktober 24, 2017

    Die Sitzverteilung im 19. Deutschen Bundestag macht es plastisch. :
    Rot, Rot, Grün ist Geschichte.
    Inzwischen sind Die Grünen nach beiden Seiten offen. Zur linken- die CDU, zur rechten Seite die SPD. ( s.Grafik ).

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